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Manuela Mechtel hat schon über 100 Lilli-Geschichten geschrieben. Hier gibt es eine zum Probelesen. Lilli in der RitterburgJeden Abend, wenn Lilli im Bett liegt und ihre Mama die Tür zugemacht hat, läuft sie die Traumstraße hoch bis über die Wolken. „Hast du eine Ritterrüstung?“, fragt Lilli, kaum dass sie beim Traumwundertütenstand angekommen ist. „Na sicher!“, schmunzelt der Traumwundertütenverkäufer. Er hält die Ritterrüstung schon in der Hand! Zuerst streift sich Lilli das Kettenhemd über, dann steigt sie in die Beinschoner und zum Schluss setzt sie sich den Ritterhelm auf den Kopf und nimmt das Schwert in die Hand. „Uff!“, stöhnt Lilli. „Das ist ganz schön schwer!“ „Das ist ja auch alles aus Eisen“, lächelt der Tütenwunderverkäufer und schnippt mit den Fingern. Schwupps! steht Lilli in einer Ritterburg! Genauer gesagt, auf der Wiese, wo die Ritterpferde grasen. Darum herum erheben sich die Burgtürme und die Burgmauern mit den Schießscharten. Die Ritterfahne flattert am höchsten Turm. Zwei gekreuzte Schwerter sind darauf und ein Löwe. Lilli ist nicht alleine. Viele Ritter satteln geschäftig die Pferde. „Wir müssen los!“, sagt einer und führt ein geschecktes junges Pferd zu Lilli. Sie steigt auf und prescht mit den Rittern über die Zugbrücke zum Burgtor hinaus. „Wo reiten wir hin?“, fragt Lilli. „Die Prinzessin befreien, was sonst?!“, antwortet der Ritter, der neben ihr reitet. Durch einen Kastanienwald gelangen sie zu einer düsteren Burg. Die Zugbrücken sind alle hochgezogen. Ratlos halten die Ritter an. Es sind bestimmt zehn Mann. „Und nun?“ fragt einer. „Ich mach das schon!“ ruft Lilli. Sie gibt ihrem Pferd die Sporen, setzt mit einem kühnen Sprung über den Burggraben und landet auf der anderen Seite, vor einem kleinen Loch in der Burgmauer. Lilli klettert vom Pferd und quetscht sich durch die Maueröffnung. Ein Glück, dass sie so klein ist! Aber wo ist die Prinzessin? Lilli hat ganz vergessen, danach zu fragen! Gespenstisch ragt die Burg vor ihr in die Höhe. Aus einem Fenster ganz oben guckt ein rothaariges Mädchen heraus mit einer kleinen Krone auf dem Kopf. Das muss sie sein, denkt Lilli und winkt. Die Prinzessin mit den roten Haaren lässt ein Seil aus dem Fenster. Es sind aneinandergeknüpfte Bettlaken. Sie hat ihre Flucht schon vorbereitet! Mutig klettert sie abwärts. Zwei Meter über dem Boden baumelt sie in der Luft. Das Seil ist zu kurz! Aus einer Tür tritt ein baumlanger Ritter. Er ruft: „Alarm! Die Gefangene bricht aus!“ Kurzentschlossen springt die Prinzessin auf den Boden. Sie ist so genauso groß wie Lilli. Sie laufen zur Maueröffnung, quetschen sich hintereinander durch und steigen aufs Pferd. Mit einem weiten Sprung erreichen sie glücklich das andere Ufer, preschen durch den Kastanienwald zurück zur Burg und über die Zugbrücke! Sie sind in Sicherheit! Lilli lässt stolz ihr Schwert durch die Luft zischen. Verwirrt fährt sich die Prinzessin mit der Hand über die Augen. „Bin ich wirklich zu Hause?“, fragt sie. „Oder träume ich?“ Die Ritter lachen. „Du bist wirklich zu Hause!“, rufen sie. „Das siehst du doch, oder? Wie kannst du da träumen?!“ Gerade da hört Lilli ihre Mama rufen: „Lilli, wach auf! Es ist schon halb acht!“ „Ich muss los!“, sagt Lilli. Am Burgturm oben sieht sie schon die Traumrutsche. Lilli umarmt die Traumprinzessin zum Abschied, rennt die Wendeltreppe im Burgturm hinauf und rutscht schnell die steile Traumrutsche hinunter genau bis in ihr Bett. „Guten Morgen, Mama!“, sagt sie und macht die Augen auf. © Manuela Mechtel |
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